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Die Risikoklassen bei Geldanlagen

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Wer Geld investiert, möchte gerne wissen, mit welchem Risiko er investiert. Unstrittig ist, dass die Anlageberater der Banken gegenüber ihren Kunden häufig einen deutlichen Informationsvorsprung haben. Dies führte in der Vergangenheit immer wieder dazu, dass Kunden in ein Produkt investierten, dessen Risikopotenzial nicht seinem Anlegerprofil entspricht. Der Anlagesektor selbst ist schon unübersichtlich, durch den grauen Kapitalmarkt wurde er völlig intransparent. Nicht jedes Anlageprodukt ist für jeden Sparer geeignet. Gerade diejenigen, welche erst am Beginn ihrer Anlegerkarriere stehen, müssen sich zunächst einmal zurechtfinden und sind eher sicherheitsorientiert.

Sparbücher und Tagesgelder kommen diesem Sicherheitsbedürfnis natürlich am nächsten, aber so ein bisschen mehr Rendite darf es natürlich auch sein. Die Einteilung von Wertpapieren in Risikoklassen gibt Anlegern einen gewissen Überblick, wie ein Papier oder eine Anlage einzustufen ist. In Deutschland wird zwischen fünf Risikoklassen unterschieden, wobei Risikoklasse eins die sicherste Variante darstellt. Wie wir bereits in unserem Abschnitt Anlegercharaktere beschrieben haben, bewegen sich Anleger in dem Dreieck zwischen Rendite, Sicherheit und Verfügbarkeit. Diese drei Faktoren spiegeln sich auch in den unterschiedlichen Risikoklassen wieder. Eine hohe Rendite preist auch die Risiken mit ein, eine schnelle Verfügbarkeit der Einlage geht zulasten der Rendite. Aktien können natürlich jederzeit verkauft werden, dies führt allerdings bei einem niedrigeren als dem Einstandskurs zu Verlusten.

Die Risikoklassen in der Übersicht

  • Risikoklasse 1: Sparbücher, Tagesgelder, Festgelder, Pfandbriefe, europäische Geldmarktfonds. Pfandbriefe nehmen gegenüber anderen Formen von Anleihen eine Sonderstellung ein, da sie durch Hypotheken besichert sind.
  • Risikoklasse 2: Anleihen mit guter Bonität, festverzinsliche Wertpapiere, Rentenfonds aus Europa, geldmarktnahe Fonds, Garantiezertifikate. Garantiezertifikate sind aufgrund ihrer Ausprägung jedoch mit Vorsicht zu genießen. Diese Anlageklasse beschreiben wir auf der Seite Zertifikate näher.
  • Risikoklasse 3: Aktien und Aktienfonds mit europäischen Titeln, Genussscheine, Währungsanleihen guter Bonität, internationale Aktienfonds mit Bluechipswerten, internationale Rentenfonds.
  • Risikoklasse 4: Aktien und Aktienfonds mit europäischen Nebenwerten, außereuropäische Aktien und Aktienfonds, Währungsanleihen mittlerer Bonität, Zertifikate.
  • Risikoklasse 5: Futures, Optionen, Optionsscheine, spekulative Anleihen, Aktien und Aktienfonds aus den Emerging Markets, internationale Aktiennebenwerte.

Risikoklassen und Anlageberatung

Wenn Sie ein Depot eröffnen, müssen Sie entsprechend Paragraf 34 Wertpapierhandelsgesetz ihre bisherigen Erfahrungen im Bereich der Geldanlage angeben. Für die Bank oder den Broker gilt, dass er sich ein umfassendes Bild von Ihren Kenntnissen machen muss. Aufgrund dieser Angaben erfolgt eine Einstufung in die entsprechende Risikoklasse. Anlageberater dürfen einem Kunden, der in der Risikoklasse 3 eingestuft ist, keine Produkte höherer Risikoklassen empfehlen. Möchten Sie als Anleger in einer höheren Risikoklasse investieren, müssen Sie schriftlich festhalten, dass dies auf eigenen Wunsch geschieht.

Als Kunde einer Direktbank liegt es ebenfalls bei Ihnen, wenn Sie die vorgegebene Risikoklasse ändern möchten. Normalerweise sollte ein Anschreiben an die Bank genügen, um eine Erhöhung der Risikoklasse zu erreichen.

Veröffentlicht von

Jahrgang 1959, Bankkaufmann, Versicherungsfachmann (BWV), Magister in Psycho- und Neurolinguistik und amerikanischem Verfassungsrecht. 1985 – 2010 Finanzdienstleistungsvertrieb. Seit 2011 ausschließlich als Autor im Bereich Wirtschaft und Finanzen tätig. Mitglied im DVPJ (Deutscher Verband der Pressejournalisten)